BMW 327/28
Bis zuletzt zeigte er grosses Interesse an der Entwicklung neuer Technologien im Automobilbau, konnte jedoch eine gewisse Skepsis gegenüber der neuen Hybrid Technologie nicht ganz verbergen. Auf jeden Fall waren es hauptsächlich Modelle aus den Vor- und Nachkriegsjahren, die sein neues Zuhause im Wohnpark Buchegg in Burgdorf schmückten. Aus der Zeit als die Modelleisenbahnen noch einen höheren Stellenwert besassen als heute, und sich auch noch die Enkel dafür interessierten, zeugte ein Metallkrokodil von Märklin.
Ruedi Dähler war nicht nur der Patron eines Transportunternehmens mit Reisewagen, Umzugs-, Tank- und Lastwagen, dessen Leitung er von seinem Vater, der 1963 verstarb, zusammen mit seiner Schwester übernahm, sondern auch ein Oldtimerliebhaber, begnadeter Mechaniker und Restaurator mit einem sehr grossen und vielseitigen Wissen. Er erlebte auch noch die Zeit, die bis in die 60-er Jahre reichte, als ein und dasselbe Chassis unter der Woche als Nutzfahrzeug und am Sonntag als Car Alpin mit einem Faltdach, das fast so lang war wie der ganze Wagenaufbau, unterwegs war. Lange Zeit zeugte eine Hebevorrichtung im Neuhof noch von dieser Zeitepoche. Bis zum Zeitpunkt der Übernahme der Geschäftsleitung 1963 liess er es sich nicht nehmen, öfters selbst hinter dem Lenkrad eines Reisewagens Platz zu nehmen und Gesellschaften mit geübter und sicherer Hand zu chauffieren.
Ruedi war für den technischen Bereich einschliesslich der Fahrzeugbeschaffung und deren Unterhalt zuständig, während sich seine Schwester um die Planung und Rekognoszierung neuer Carreisen kümmerte, die im Reisebüro in Burgdorf und Bern gebucht werden konnten.
Als gelernter Automechaniker nahm er nach der Lehre zur Weiterbildung Stellen bei Bosch in Genf und bei Saurer in Zürich an, bis er schliesslich gut vorbereitet 1943 die Meisterprüfung bestand. Für Burgdorf war die Firma Dähler ein grosser Arbeitgeber und es war jeden Abend eine Schau, die Last- und Reise-Wagen in Reih und Glied auf der Zufahrt zum Firmengelände zu sehen, wenn sie vom Tageseinsatz nach Hause kamen. Die Wagen wurden von den Betriebsangehörigen, die für den Unterhalt zuständig waren sofort in Empfang genommen, gereinigt und kontrolliert, damit sie am nächsten Morgen wieder zum Einsatz bereit waren. Hinter all diesen Abläufen steckte eine durchdachte Organisation, ohne diese der Betrieb gar nicht funktioniert hätte.
Am Wochenende, wenn etwas Ruhe eingekehrt war und die Reisewagen alle unterwegs waren, konnte sich Ruedi dann seinem Hobby, dem Restaurieren von Oldtimern widmen. Zur Hand ging ihm dabei sein Aktivdienstkamerad Jakob Lyrenmann. Es waren hauptsächlich Veteranenfahrzeuge aus den Dreissigerjahren der Marken BMW, Bentley, Lancia oder Mercedes-Benz, die sie auf Vordermann brachten und auch bewegten.

R. Dähler und Jakob Lyrenmann auf Probefahrt mit Bentley-Chassis
Lancia Astura
Bentley
Wie schon in meinem Bericht über den 300SL erwähnt, verbrachte ich einen Grossteil meiner Freizeit in der Garage Anderegg in Burgdorf, wo ich 1961 auch meinen 220S Rechtslenker kaufte. Dort begegnete ich Ruedi wohl das erste Mal, bekam unter anderem mit, dass er neben einem 300S Coupé auch noch einen BMW 327/28 besass. Es war an einem Samstagnachmittag, als ich den BMW im Strassenbild von Burgdorf zu Gesicht bekam, ihm folgen konnte und so schliesslich auf dem Gelände der Firma Dähler landete. Fortan schaute ich des öftern dort vorbei, sah Wagen kommen und gehen, konnte Ruedi und Kobi während ihrer Arbeit über die Schultern schauen und bekam so vieles mit. Mir kam es oft vor als sei es für Ruedi ein Spiel, einen Wagen zu kaufen, fahrbereit zu bekommen, was oft recht wenig brauchte, und sich dann nach dessen Verkauf einem neuen Objekt zuzuwenden. So kam ich übrigens auch zu meinem 220a, der mit 60’000km fast zwei Jahre bei Mercedes-Benz in Bern im Keller schlummerte und dann von Ruedi Dähler erworben wurde. Als ich diesen Wagen das erste Mal sah, meldete ich sofort mein Interesse dafür an, wenn er denn zu haben sein würde. Es verging kein halbes Jahr und da kam der Anruf von Ruedi, dass ich den Wagen, wenn ich noch Interesse daran hätte, nun haben könne. Er war frisch ab MFK und der Preis stimmte auch. So wurde der 220a zu unserem Familienauto und ist immer noch in meinem Besitz.
220a
Als dann der Platz im Neuhof mitten in der Stadt einfach zu eng wurde und der Neubau in der Buchmatt bezogen wurde, verlor ich Ruedi etwas aus den Augen, denn auch er verlegte sein Zuhause gezwungenermassen in den Gyrischachen, wo er mit seiner Gattin eine Eigentumswohnung mit sehr schöner Aussicht auf Burgdorf bezog. Wir luden uns gegenseitig etwa zum Nachtessen ein und sonst erfuhr ich von Hansruedi meistens das Neueste über Ruedis Wagenpark. Da für Ruedi am neuen Standort der Firma kein Platz mehr zum Schrauben zur Verfügung stand, war wohl der Motorentausch am 280SE 3,5 das letzte gemeinsame Projekt das er mit Kobi am neuen Domizil vollendete. Nicht nur Ruedi vermisste die wohlbekannte Atmosphäre der Reise- und Lastwagen, sondern die Mitarbeiter vermissten auch ihren Patron.
Leider verschlechterte sich dann der Gesundheitszustand von Frau Dähler immer stärker und trotz der aufopfernden Pflege durch Ruedi musste sie schliesslich ins Pflegeheim übersiedeln, wo sie dann im November 2009 verstarb. Nun waren Ruedi und Hansruedi das Team, das viel zusammen unternahm, da und dort ein Museum besuchte oder zusammen nach Südfrankreich zu Helmut Staub fuhren. Aber auch Ruedis Kräfte liessen nach, so dass er sich im Sommer 2010 entschloss, in den Wohnpark Buchegg zu übersiedeln. Dort habe ich ihn möglichst wöchentlich besucht und wir hatten gute Gespräche über vergangene Zeiten. Ein Sturz in seinem Zimmer Mitte Dezember löste dann eine Hirnblutung aus, die den Spitalaufenthalt zur Folge hatte. Am Neujahrsmorgen durfte Ruedi dann friedlich einschlafen.
Mit einigen Bildern versuche ich zu illustrieren was für Wagen in seinem Oldtimerfuhrpark standen, die dann leider spätestens beim Umzug der Firma samt den vielen Ersatzteilen aus Platzgründen alle veräussert wurden.