Als Sohn eines Baumeisters und «Autonarren» lernte er schon früh im Baugeschäft Hand anlegen und erbte auch die Begeisterung für Mercedes-Benz. Am Automobilsalon 1928 in Genf bestaunte er als 12-jähriger die SS von Mercedes-Benz und hatte dann schon bald die Möglichkeit, im Werkhof am Steuer der 400er Pullman-Limousine 15/70/100 mit Jahrgang 1928 das Fahren zu lernen. Sein Vater hatte 1930 dieses Fahrzeug von Frau Schlemme, Pelzhändlerin in Basel gekauft. 1937 erhielt er im ersten Anlauf den Fahrausweis. Man denke: Das Fahrzeug hatte ein Leergewicht von 2,5 Tonnen.
Willy Sägesser ordnete Personen immer ihren Mercedes-Fahrzeugen zu: Der Architekt des zweiten Schulhauses in Oensingen hat einen Mercedes-Benz Mannheim gefahren. Bestaunt hat er oft den 500 K, Cabriolet A, 1935, von Alexander Bally, dem Direktor der Bandfabrik in Schönenwerd.
Vor dem Weltkrieg besuchte Vater Sägesser mit seinen Söhnen auch die Mercedes-Benz Ausstellung von Frey und von Felten im Hotel Schweizerhof in Olten.
Doch schon bald brach der Krieg aus. Fünfeinhalb Jahre Grenzbewachung, da nützten ihm auch die schönsten Mercedes nichts, ausserdem war das Benzin rationiert. Ein Trost, sein Batallionskommandant fuhr einen 290 kurz, Cabriolet C.
Dazu kam, dass es im Fuhrpark seines Vaters anfangs der 40er-Jahre einen Wechsel gegeben hatte.
Für eine 230 W 153 Limousine wurde die 15/70/100 Pullman-Limousine mit Jahrgang 1928 in Zahlung gegeben. Diese 230 Limousine W 153 mit Faltschiebedach und Elfenbeinsteuerrad im Originalzustand blieb bis zuletzt in Willys Besitz. Sie war nach dem schweren Unfall seines Bruders 1945 in Oberbuchsiten beim Strassenkreuz gegen Egerkingen, wieder aufgebaut worden.
Willy Sägessers Auto aus dem Familienbesitz: Mercedes-Benz 230 Limousine der Baureihe W 153, Baujahr 1939; unrestauriert, aber hervorragend erhalten
Kurz nach dem Krieg besuchte Willy mit seinem Freund E. Scheidegger Enzo Ferrari und dessen Sohn Alfredo (Dino) im Werk in Modena, Italien. Sie wurden vom Maestro Enzo mit Handschlag begrüsst.
Wenig später war er Beifahrer seines Freundes an der Mille-Miglia, doch erreichten sie das Ziel nach verschiedenen Problemen mit ihrem 300 SL nicht.
Natürlich war ihm auch der schwere Unfall von Le Mans in Erinnerung geblieben, hatte er doch noch kurz zuvor mit seinem Neffen an jener gefährlichen Stelle gestanden.
Später besichtigte er in Deutschland einen 770 K. Aber das Projekt, dieses Fahrzeug zu restaurieren war ihm nicht ganz geheuer, also verzichtete er auf den Kauf für 84’000.- und entschied sich anschlies-
send für das 230 W143 Cabriolet B mit Sindelfinger-Karosserie für 25’000.-.
Willy war ein MBVC-Mitglied der ersten Stunde, immer vom Stern begeistert. Wie glänzten seine Augen 1986 beim Besuch in Stuttgart! Persönlich anwesend waren dort auch die Rennfahrer Lang und Kling.
An der Jubiläumsfahrt des gleichen Jahres war Willy Beifahrer bei «HuMeMü» Huber Mechaniker Münchenstein. Das Fahrzeug war nur zu starten indem der Beifahrer sich darunterlegte und mit einem Schraubenzieher den Kontakt am Anlasser mit Strom versorgte. Willy war immer für solche Spässe zu haben.
Von der Clubgründung an bis 1992 war Willy Rechnungsrevisor des MBVC. Mit einem kleinen Stempel markierte er jeweils die kontrollierten Belege.
Nach dem Tod seiner Schwester ist er an vielen Ausfahrten zur MBVC-Kolonne gestossen. Manchmal fuhr er ein Stück des Weges mit, anschliessend war er wie aufgetaucht so verschwunden.
Noch 2007, als 89-jähriger, drehte er hors concours mit seinem Mercedes-Benz 230 Cabriolet B in Niederbuchsiten am Jura-Prolog zum Raid eine Ehrenrunde.
Zeitlebens blieb er ein Autonarr, aber auch schnelle Motorräder gehörten zu seiner kleinen Sammlung. Aber immer blieben die Kompressor-Mercedes aus den 20er-Jahren die Traumfahrzeuge für Willy.
War in Oensingen im späteren 20. Jahrhundert eine Baustelle mit grossem Inventar wie Bagger, Dumper, Lastwagen usw. in Betrieb, mit einem einzigen Mann im Graben, so war dies seine Baustelle, denn das Bauen und Renovieren blieb bis ins hohe Alter sein Beruf. Er gab dann zum Besten: Nun hätte er nur noch das «Billet» für Schubkarretten.
Er war grosszügig: der Schlüssel zu seinem VW-Bus war immer im Auto, das wusste halb Oensingen. Entsprechend oft wurde das Fahrzeug, auch ohne sein Wissen, aus der Garage geholt und nach dem Einsatz wieder versorgt. Ihm blieb dann, bei seiner eigenen nächsten Fahrt oft die Aufgabe, den Tank wieder aufzufüllen. Am besten liess man den VW-Bus reservieren, Willy versteckte dann den Schlüssel. Nur so war man sicher, dass das Fahrzeug zur Verfügung stand.
Gerne denke ich an Willy zurück, er wusste immer eine kurze Geschichte aus seinem Leben zum Besten zu geben, genau mit diesen Geschichten lebt er in manchem Herzen weiter.
Der Ehrenpräsident Georges Bürgin